Theologie
„Ich bin eine Frau, die viel von Quoten hält“: Interview mit Friederike von Kirchbach

10.03.2025
Friederike von Kirchbach setzt sich seit September im EFiD-Präsidium für die Sichtbarkein von Frauen in der Kirche ein. Hier steht sich den EFiD Rede und Antwort. Frau von Kirchbach, Sie wurden am 1. September in das Präsidium von EFiD gewählt. Was wollen Sie erreichen?
Ich habe als Pfarrerin selbst noch recht patriarchale Strukturen in der Kirche erlebt. Daran hat sich inzwischen einiges geändert, aber noch nicht genug. An vielen Stellen in der Kirche sind Frauen noch immer nicht sichtbar. Gerade in attraktiven Leitungspositionen sind sie unterrepräsentiert, bei den Ehrenämtern dagegen eindeutig in der Mehrzahl.
Wie kann man daran etwas ändern?
Ich bin eine Frau, die viel von Quoten hält. Wenn wir sagen: Hier ist Kirche, und hier fehlen Frauen, dann muss es auch einen gewissen Druck zur Veränderung geben. Dabei möchte ich wirklich betonen, dass inzwischen vieles selbstverständlich ist, wofür wir früher gekämpft haben. Heute sind viele Menschen verblüfft, wenn ich von der Bibel in gerechter Sprache berichte, die lange vor den heutigen Debatten um Gender für die Sichtbarkeit von Frauen in der Bibel gesorgt hat. Diese Errungenschaften dürfen nicht aus dem Blick geraten. Es ist kein Theologiestudium mehr denkbar, in dem die feministische Theologie nicht vorkommt. Wobei ich auch sagen muss: Bei der Solidarität zwischen Frauen sehe ich durchaus noch Luft nach oben.
Was kann eine Organisation wie EFiD tun, um Frauen sichtbarer zu machen?
EFiD ist eine politische Organisation, die das Engagement für Frauenfragen in der Kirche bündelt. Die Evangelische Kirche in Deutschland hat eine komplexe föderale Struktur, deshalb ist es wichtig, dass wir hier gemeinsam feministische Positionen zusammenführen und mit Kraft vertreten können. Frauen aus allen Landesverbänden haben so die Möglichkeit, unter einem Dach zusammen zu arbeiten. EFiD ist gerade bei Themen wie dem Paragrafen 218 sehr gut aufgestellt.
Sie sind in der DDR aufgewachsen und haben einen Teil Ihres Berufslebens in Ostdeutschland verbracht. Tut die Kirche Ihrer Meinung nach genug, um dem wachsenden Rechtspopulismus gerade dort entgegenzuwirken?
Ich muss sagen, ich bin da ganz zufrieden mit unserer Kirche. Es gibt in den Landesverbänden wie der Mitteldeutschen Kirche viele Menschen, die vor Ort wichtige Projektarbeit leisten. Sie zeigen, dass es zwar eine große Zahl von Menschen gibt, die rechts wählen – aber auch eine große Zahl, die sich gegen Parteien wie die AfD stellen. Doch ich beobachte auch mit Sorge, wie Rechtsextreme sich etwa kirchliche Rituale zu eigen machen, die Gefahr der Unterwanderung von Gemeinden und Gruppen vor Ort besteht immer. Natürlich gibt es auch ein Stadt-Land-Gefälle. Ich lebe in Berlin-Mitte, da hängen keine AfD-Plakate, und wenn, dann werden sie schnell abgerissen. In meinem Wochenendhaus in Brandenburg sieht das schon wieder ganz anders aus. Aus meiner Zeit als Pfarrerin weiß ich: Ich möchte klar in der Sache sein aber mit den Menschen im Gespräch bleiben.
Zur Person
Friederike von Kirchbach (69) ist evangelische Pfarrerin im Ruhestand. Sie war von 2000 bis 2005 Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages und von 2005 bis 2015 theologische Leiterin im Konsistorium der EKBO sowie Stellvertreterin des Bischofs. Seit 2007 war von Kirchbach Mitglied im Rundfunkrat beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB), von 2013 bis 2022 dessen Vorsitzende. Friederike von Kirchbach ist Pfarrerstochter und wuchs in der DDR auf. Nach dem Theologiestudium leitete sie die sächsische Junge Gemeinde, war Gemeindepfarrerin in Kreischa bei Dresden sowie Krankenhausseelsorgerin. Sie war Mitherausgeberin des Hefts „Lila Band“, das bis 1992 innerkirchlich von der Jungen Gemeinde verteilt wurde und vor allem bis 1989 eine große Bedeutung hatte.
Das Gespräch erschien zuerst im EFiD-Newsletter.